Diamantseilsägen aus vorhandenen Maschinenteilen montiert 
 

Die handelsüblichen Anbausätze für die herkömmlichen hydraulischen Wandsägen sind hinreichend bekannt. Bei nur kurzen Einsätzen ist es jedoch oft zu aufwendig, immer mit einer kompletten Sägeausrüstung auf die Baustelle zu fahren. Auch die bei solchen Anbausätzen erforderlichen Umrüstarbeiten sind oft sehr lohnkostenintensiv. Die einfachste Lösung wäre sicherlich in solchen Fällen, entsprechend ausgelegte Maschinen oder Geräte zu kaufen. Dem Bohrunternehmer ist aber nicht geholfen, wenn er in neue teure Geräte und Maschinen investiert, die nicht ausgelastet sind. Deshalb handeln wir in unserem Betrieb nach der Devise, vorhandene Geräte so zu gestalten und durch Hinzufügen zusätzlicher Komponenten so umzubauen, daß sie effektiver eingesetzt werden können. 
 
 

 

   Sägen von Wanddurchbrüchen

Der erste Einsatz einer solchen aus vorhandenen Bauteilen montierten Maschine, wie sie im Bild zu sehen ist, erfolgte unmittelbar nach ihrer Montage in den Hamburger Elektrizitätswerken (HEW). In der dortigen      Lastverteilung sollten zwei Wanddurchbrüche hergestellt werden. 
Die Lastverteilung ist ein sensibler Sicherheitsbereich, der durch Mitarbeiter der Hamburger Elektrizitätswerke 24 Stunden besetzt sein muß. In diesem Betriebsteil wird die Auslastung der in der Umgebung von Hamburg    liegenden Kraftwerke ständig überprüft. Wenn es zu Engpässen in der tromversorgung kommt, wird von dort Strom aus Frankreich oder anderen europäischen Ländern zugeschaltet, also zugekauft. Bei Überkapazitäten      dagegen wird Strom in das Europäische Stromverbundnetz eingespeist, das heißt verkauft. Diese Aufgabe verlangt vom Bedienungspersonal äußerste Konzentration. Deshalb wurde ein möglichst geräuscharmes Abbauverfahren gesucht. Die 30 Zentimeter dicke Wand hätte sonst auch mit einer Mauersäge geschnitten werden können. Nach der Vorführung eines Videos entschied sich der Auftraggeber jedoch für die wenig Lärm verursachende Seilsägetechnik. Die zu trennenden Durchbrüche in die Stahlbetonwand waren 1,20 Meter breit, 2,30 Meter hoch und - wie gesagt - 30 Zentimeter dick. Die Auftragsabwicklung verlief zügig und entsprach den gestellten Anforderungen völlig. 
 

      Seilsäge für kreisrunde Bohrungen 

Anläßlich einer Baubesprechung erzählte ich dem technischen Geschäftsführer der alteingesessenen Hamburger Baufirma Theo Urbach GmbH 8z Co. KG, daß wir ein Gerät planen, mit dem kreisrunde Löcher in beinahe beliebiger Größe in Mauerwerk und Stahlbetonwände geschnitten werden können. Wir erhielten sofort den Auftrag, aus der obersten Betondecke der Hamburger Sparkasse in Hamburg-Eidelstedt eine im Durchmesser etwa 2,70 Meter große runde Öffnung für eine Wendeltreppe auszusägen. Für uns war dies der Anstoß, die geplante Vorrichtung schnellstmöglich zu bauen. 

Als Zusatzteile nahmen wir im Stahlhandel erhältliche Komponenten. Wir benötigten unter anderem ein 3 Meter langes 180 x 180-Millimeter- Vierkantrohr und zwei 1,50 Meter lange 150 x 150 Millimeter Vierkantrohre.
Zusätzlich noch einige Gewindestangen M 16 und einige 4 Millimeter dicke U-Eisen mit 50 Millimeter Kantenlänge. In der Werkstatt wurden diese Teile, anhand der zuvor erstellten Zeichnung auf Maß geschnitten und an den entsprechenden Stellen mit Bohrungen versehen. Der spezielle Fuß für die Bohrsäule wurde zusammengeschweißt. Auf einen Radialantrieb wurde aus Zeitgründen zunächst verzichtet. Nach einem befriedigenden Probelauf wurden die Einzelteile über einen mittleren Baufahrstuhl auf das Dach der Sparkasse gebracht. 

An der vom Auftraggeber eingezeichneten Stelle für die Achse des Durchbruches bohrten unsere Mitarbeiter eine Bohrung von 211 Millimeter Durchmesser in die 44 Zentimeter dicke Decke. Jetzt wurde die Vorrichtung montiert: Das 180er Vierkantrohrohr senkrecht in die Bohrung eingebaut und fixiert; an dieses Vierkantrohr oben und unten im Winkel von 90 Grad - je ein 150er Vierkantrohr parallel zueinander montiert und an den Enden zwei kleinere Umlenkrollen befestigt. Die obere Umlenkrolle sicherte den Radius von 1350 Millimeter, die darunterliegende sorgte für den Anpreßdruck des Diamantseils an den Beton. Der Fuß der Bohrsäule und die Bohrsäule mit Hydraulikmotor und Treibrad wurden auf das obere Vierkantrohr aufgebaut, das Seil durch ein auf der Radiuslinie eingebrachte 12-Millimeter-Bohrung gesteckt. Eine bauseitige Unterfangung sorgte für die Abstützung. 

Das auszuschneidende Teil hatte einen Umfang von 8,48 Metern. Weil es sich um eine Teilrippendecke handelte, verblieb im Mittel eine Schnitthöhe von 370 Millimetern mit einer Schnittfläche von 3,14 Quadratmetern -
einschließlich 430 Quadratzentimeter geschnittenes Eisen. 
Nach der Fertigstellung des Seilsägeschnittes und dem Abbau der Maschine wurden drei Bohrungen von 70 Millimeter Durchmesser in einem Winkel von jeweils 120 Grad zueinander und in einem Abstand von 900 Millimeter zur Achse eingebracht. Der Abtransport erfolgte am Tag danach mit einem von der Firma Alex Grund angeforderten 70 Tonnen Kran. Der Abstand von der Drehkranzmitte des Kranes bis zur Mitte des Betonkernes betrug 26 Meter. Das Betonteil wog 4,5 Tonnen. Der Kran stieß bei solchen Parametern schon an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Der Betonrundling wurde mit drei durch die Bohrungen gezogenen Stahlseilen an den drei Ketten des Krans angeschlagen, der Betonkern herausgehoben und in einen bereitgestellten Container abgelegt. 

Unmittelbar darauf konnte die Wendeltreppe durch die 2,70 Meter große Öffnung eingebaut werden.
Jeannot Draeger