Kernbohrungen 40 m unter Wasser

An der Ennepetalsperre müssen die Grundablaßschieber erstmals seit Errichtung der Talsperre im Jahre 1904 erneuert werden. Mit dem Grundablaßschieber wird unter anderem die Wasserhöhe in der Talsperre reguliert. Im Zuge dieser Baumaßnahme werden gleichzeitig ca. 50 m lange neue Trinkwasserentnahmeleitungen aus V4A, DN 500, eingebaut. Um dieses zu realisieren wurden vier Kernbohrungen horizontal durch den Schiebeturm mit Einzellängen von je 1,50 m im ersten Bauabschnitt benötigt. 

Eine Kernbohrung mit einem Durchmesser von 350 mm, mit einem Durchmesser von 500 mm und zwei Bohrungen mit einem Durchmesser von 600 mm. Diese mußten durch vier verschiedene Gesteinsschichten durchgebohrt werden. Rotes gebranntes Mauerwerk mit Stahl, Granitfelssteine, Beton und Tübbingringen aus Stahlbeton. 
 


Den Gesamtauftrag für die Unterwasserarbeiten erhielt die Fa. Taucher-Heros aus Hamburg. 

Für die Realisierung dieser Arbeiten ist die Fa. Taucher-Heros an die Fa. J. Draeger & Co. Hamburg herangetreten, um diese schwierige Aufgabe gemeinsam zu lösen. Gemeinsam wurde ein Konzept entwickelt, wie die Aufgaben zur Zufriedenheit des Kunden gelöst werden können. Eine Standardbohrausrüstung kam nicht in Frage. Aufgrund der Bohrlängen und des Durchmessers fiel die Entscheidung für eine Zweisäulenkernbohrmaschine. 
 

Zur Befestigung an den Schiebeturm ist ein spezieller Bohrsäulenfuß in der Werkstatt der Fa. Draeger & Co. konstruiert und gebaut worden. 
Dieser spezielle Fuß sollte 4 Rollen zur Führung der Bohrkrone aufnehmen, mehrere Langlöcher zur Befestigung an der chiebeturmwand (Æ 5,20 m) haben, höhenverstellbare Füße an den Außenseiten um die Rundung des Turmes auszugleichen und es dennoch ermöglichen, daß eine Bohrung (500 mm) im Stollen deckenbündig unter der Kappe der Decke ausgeführt werden kann. 
 

Auch konnten die üblichen Hydraulikschläuche nicht verwendet werden. Es wurden 80 m lange und aus einem Stück bestehende Leitungen gewünscht mit möglichst wenig Verschlußstellen, die undicht werden können, da es sich um eine Trinkwassersperre handelte. Auch mußten die Schläuche eine andere Dimension haben, damit die laminare Strömung in die Hydraulikleitungen während der Bohrarbeiten nicht abreißen kann. 

Als weitere Erschwernis kam hinzu, daß die 350-mm und die 500-mm Bohrungen in einem 40m langen, zwei Meter breiten Stollen mit Kappendecke ausgeführt werden sollten. In dem Stollen sollte genau zu einer vorhandenen, parallel verlaufenden 300er Leitung mit einem Abstand von nur drei Zentimeter entlang gebohrt werden. Diese Leitung durfte unter keinen Umständen beschädigt oder gar angebohrt werden. Dieses hätte zur Folge, daß die Staumauer undicht geworden wäre. 

Zunächst wurde der Stollen durch Taucher-Heros mit Spüllanzen von Schlick befreit und gereinigt. Mit einem Telekran ist die gesamte Bohrausrüstung auf einen Transportschwimmponton verladen worden. Anschließend ist der Schwimmponton mit dem Arbeitsboot "Herbert" zu dem Arbeitsponton über dem Ende des Stollens mit der gesamten Ausrüstung manövriert worden. 
 

Nachdem alle Ausrüstungsteile noch einmal auf einwandfreie Funktion überprüft wurden, ist die Bohrsäule mit Bohrkrone mit dem am Arbeitsponton befindlichen Kran nun auf eine Tiefe von ca. 40 m hinabgelassen worden. Zuvor ist jedoch noch eine Ölsperre aus Sicherheitsgründen rund um die Eintauchstelle verlegt worden. 

In der Zwischenzeit haben weitere Mitarbeiter der Taucher mit Hilfe einer von der Fa. Draeger angelieferten Anbohrschablone die Befestigungslöcher für die Bohrsäule mittels Kernbohrverfahren hergestellt, Æ 25 mm. 

An dem Eingang des Stollens sind Hebesäcke an die Bohrsäule befestigt worden, so daß die komplette Bohrsäule schwebend in den etwa 40 m langen Stollen hineingezogen werden konnte. An der Schiebeturmwand angekommen ist die Bohranlage mit Greifzügen stramm unter die Kappendecke gezogen und an die bereits eingebauten Befestigungsbolzen verschraubt und ausgerichtet worden. 

Nach dem Anschließen aller Leitungen kam der von der Fa. Draeger mitgelieferte geprüfter Betonbohr- und Sägefachmann zum Einsatz. Über eine hydr. Vorschubsteuerung wurde die Bohranlage vom Schwimmponton aus gesteuert blind und nur ein Druckmanometer vor Augen. Die reine Bohrzeit betrug etwa 2,5 Std. 

Anschließend ist in dem Stollen noch eine 350-mm-Bohrung durchgeführt worden. Damit war das schwierigste Stück Arbeit erledigt. Die zwei 600 mm Bohrungen außerhalb des Stollen in 18 m und 12 m Wassertiefe konnten ebenso reibungslos hergestellt werden. Der gesamte Bohreinsatz des 1. Bauabschnittes konnte in nur 18 Tagen erfolgreich abgeschlossen werden. Den zweiten Bauabschnitt werden wir gemeinsam im Frühjahr 1999 durchführen. 

Damit konnte ein weiteres Mal die Leistungsfähigkeit von Diamantwerkzeugen unter Beweis gestellt werden. 

Taucher-Heros GmbH & Co. KG Hamburg und J. Draeger & Co. Hamburg, ein erfolgreiches Team von Fachleuten für Betonbohr- und Sägearbeiten auch in großen Wassertiefen. 

Jeannot Draeger