Brückenbohrungen 

Kernbohrungen 1200 mm Durchmesser mit einer Bohrstrecke von 5,77 m hergestellt

Baui der verstellbaren WinkelkonstruktionIm Hamburger Freihafen wurden die Abwasserleitungen von 300 mm Durchmesser auf einen Durchmesser von 900 mm umgestellt. Aus diesem Grund wurden in den Brückenviadukten der ehemaligen Norderhochbrücke zwei Diamantkernbohrungen mit einem Durchmesser von 1200 mm erforderlich. Die zu erwartenden Bohrlängen gem. Ausschreibung betrugen 5,0 m. Durch Berechnungen des ausführenden Bohrunternehmens J. Draeger & Co., Hamburg, ist schnell klar geworden, daß die Bohrlänge jedoch mehr als 5,0 m sein mußte. Auf dem Betriebshof der Fa. Draeger & Co. wurde ein entsprechendes Bohrgerät für diesen Auftrag umgebaut bzw. erweitert.176 Karat in 88 Diamantsegmenten - Ø1200 mm Kronenlänge 3,0 m Für dieses ca. 3,5 t schwere Bohrgerät wurde eine abnehmbare Winkelverstellung konstruiert und gebaut. Der einzustellende mögliche Winkelbereich betrug 0-45 Grad, welches für die herzustellenden Bohrungen 28 bzw. 35 Grad, ausreichte. Die 4 Lynetten zur Führung der Bohrkrone in dem Bohrgerät, die bisher mit Gleitstücken bestückt waren, wurden durch Rollen aus unserem reichhaltigen Seilsägezubehör ersetzt. In dem unteren Bereich, welcher die gesamte Last der Bohrkrone tragen und führen soll, wurden gleich 4 Rollen zu je 2 Paaren auf einer Wippe angeordnet. Die oberen Rollen hatten nur Führungsaufgaben, so genügte hier je eine Rolle. 

Verladen des Bohrgerätes mit Bohrkrone auf einen Sattelschlepper
Die Bohrkrone 1200 mm Ø, 300 cm lang, ca. 800 kg schwer, wurde aus Beständen der Fa. Schützeichel erworben und mit einer Spedition nach Hamburg transportiert. Dort angekommen wurde die Krone sogleich in das Bohrgerät eingebaut und mit dem Wiederbesatz begonnen. Die Krone wurde mit 88 Segmenten im Format 2 x 10 x l0mm bestückt. 

Für diese Präzisionsarbeit benötigte der Werkstattmeister einen ganzen Tag. Nach Diamantwerkzeugherstellerauskunft sind in einen cm3 Diamantsegment ca. 1,1 Karat Industriediamanten. So weist die Bestückung dieser Bohrkrone ein Diamantgesamtgewicht von ca. 176 Karat auf. 

Nach Abschluß aller vorbereitenden Arbeiten wurde ein 25-t-Mobilkran und ein kleiner Sattelschlepper geordert. Der Auflieger des Sattelschleppers mußte eine Mindestlänge von nur insgesamt 7,00 m aufweisen. Nach dem Verladen von Bohrgerät, Hydr. Station, Bohrverlängerungen und andere für die Ausführung der Arbeiten benötigten Werkzeuge und Geräte, setzte sich der Konvoi, bestehend aus dem Mobilkran, Sattelschlepper und Ausführungspersonal in Richtung Bauvorhaben in Bewegung. Einbau des Bohrgerätes in die BaugrubeAn der Baustelle angekommen setzte der mitgeführte Telekran das Bohrgerät in die vorbereitete nördliche Baugrube in ca. 7,00 m Tiefe ab. In der Baugrube setzten die Bohrfachleute diverse schwere LKW-Wagenheber ein, um das Bohrgerät mit der Bohrkrone der erforderlichen Bohrachse zu positionieren. Nach Ausrichtung und anderen Befestigungsarbeiten begann das Anbohren. Einbau des Bohrgerätes in die BaugrubeMit einer Drehzahl von etwa 30-40 U/min ist die Krone in die Wand vorgetrieben worden. Die Vortriebsgeschwindigkeit betrug 2,5 cm/min. Das entspricht einer Zerspanung von 942 cm3 pro Minute. Nach dem Hineinbohren der gesamten Nutzlänge der Krone, wurde der Bohrkern von ca. 3,0 m Länge gebrochen bzw. ausgebaut. Mit Pressluftbohrern sind 50 mm dicke ca. 1,1 m lange Bohrungen in den Kern eingebohrt worden. Mit 2 Dardageräten und deren hydr. Sprengwirkung durch das Keilprinzip ist der Kern in ausbaubare Teile zerkleinert worden und mit einem Portalkran aus der Baugrube herausgehoben worden. 
Start: Anbohren der KroneNach dem Bergen des Kernes und Abtrennen des 300 mm dicken Stahlrohres wurde von den Mitarbeitern die Bohrkrone wieder eingebaut und über den hydr. Vorschub hineingefahren. 

Es mußte nun eine bereitliegende Verlängerung mit einer Länge von 3,0 m eingebaut werden. Nachdem alle Bolzen auf festen Sitz geprüft waren, konnte der 2. Schuß gebohrt werden. Zunächst verlief auch der 2. Schuß der Bohrung sehr gut. Doch plötzlich ging nichts mehr. Die inzwischen eingebauten Verlängerungen mußten komplett ausgebaut werden. In der Bohrkrone befand sich ein Stück Kern, welches etwa 1,50 m lang und schräg abgebrochen war. 
Die Ursache hierfür wurde, nachdem die Mitarbeiter in die Bohrung gingen, schnell klar. Das Bauwerk hatte einen Riß. Dadurch hat der Kern durch sein Gewicht die Bohrkrone so fest gehalten, daß auch der kräftige und mit einem Planetengetriebe untersetzte Hydraulikmotor nicht mehr drehen konnte. Die unerwarteten Maßnahmen, Ausbau der Verlängerungen, Ausbauen der Bohrkrone und Bergen des Kernes, dann alles wieder einbauen, kosteten einen ganzen Tag. Der weitere Verlauf der Arbeiten lief jedoch zügig und planmäßig. Durch das penible genaue Einmessen der kompletten Bohranlage zu Beginn der Arbeiten ist es gelungen. die Bohrung punktgenau durchzubringen. Nach Abschluß der ersten Bohrung wurde das Bohrgerät mit dem angeforderten Mobilkran aus der ersten Baugrube in die zweite, südliche Grube gehoben. 

Hier begann das ganze von vorn. Bei der zweiten Bohrung ist es nun gelungen, den verschenkten Tag, der an der ersten Bohrung verloren ging, wieder aufzuholen, so daß diese Arbeit termingerecht abgeschlossen werden konnte. Nach erfolgreichem Abschluß der durchgeführten Arbeiten wurde von der örtlichen Bauleitung anerkennend mitgeteilt, daß der Auftraggeber es nicht für möglich gehalten hat, daß solche Diamantkernbohrungen hergestellt werden können. 

J. Draeger